STICH WORTE

ALTERNATIVER KARNEVAL

Im Mittelalter stellten die Narren die strenge Feudalordnung symbolisch auf den Kopf und nahmen sich alle möglichen Freiheiten heraus. Die Funken und Garden des 19. Jhs. veralberten mit Ordensverleihungen die Preußen und deren Militarismus. Später ging dieser anarchisch-sub-versive Charakter im Bürgerkameval allerdings fast völlig verloren. Anders feierten jedoch schon um 1930 die Künstler mit ihren Lumpen- und Scheunenbällen: Dort erschien man nicht im Frack wie bei den Sitzungen der etablierten Bürgergesellschaften, sondern im Lumpenkostüm. Aus diesem Künstlerkameval bildeten sich als lose Gruppe die Ahl Sau (Alte Säue), die noch heute inoffiziell dem Rosenmontagszug voranmarschieren. Statt müder Witze böse satirische Attacken auf die Obrigkeit und den offiziellen Fastelovend: Das ist seit 1984 das Prinzip der alternativen Stunksitzung. Deren Bissigkeit hat bei vielen Jüngeren, die sonst mit „Kölle Alaaf‘ nichts zu tun haben wollen, erst die Begeisterung für die fünfte Jahreszeit geweckt. Alle 40 Vorstellungen sind schon Wochen vorher ausverkauft! Dadurch ließen sich auch andere zu alternativen Sitzungen inspirieren: Die Rosa Funken marschieren zur Rosa Sitzung der Schwulenszene ein. Der Verein „Humba e.V.“ veranstaltet eine Party mit Sambabands und anderen multikulturellen lokalen Musikern.

Auch der Straßenkameval erfährt eine Bereicherung durch die Altema- tivszene. Ein Wintergeist, in hochdeutscher Übersetzung mit Namen Erbsenbär, ist Maskottchen des Vereins Ähzebär und Co, der Karnevals-samstag bei Einbruch der Dunkelheit den Geisterzug durch die Stadt ziehen lässt: Dumpfe Trommelschläge, Fackeln und Gespenstergeheul knüpfen an die ursprünglichen Rituale des Winteraustreibens an. Zum Ende des Festes gegen Mitternacht verbrennt man den Ähzebär.

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Karneval in Köln

COMEDY AUS KÖLN

Die Stunksitzung erweist sich immer wieder als Sprungbrett für eine Kabarett- oder Comedykarriere. Der Ex-Stunker Jürgen Becker präsentiert etwa im WDR-Femsehen die „Mitternachtsspitzen“. Gaby Köster, einst Präsidentin der Stunksitzung’ ist nur eine von einer ganzen Reihe von Kölner Komödianten, die es sogar bis zur eigenen Fernsehserie schafften.

Köln ist das Epizentrum des seit den 1990er-Jahren anhaltenden Comedybooms, gleich zwei Lachmuskelfestivals locken den Nachwuchs an: Jeweils im Juli wird der Gewinner des Köln Comedy Cups ermittelt. Im Oktober treten Standup-Comedi- ans, Bands und Kabarettisten auf den 120 Veranstaltungen des Internationalen Köln Comedy Festivals auf. Es wird von Stunksitzungsgrabredner Winni Rau organisiert. Höhepunkt dieses Festivals ist die Verleihung des Deutschen Comedy Preises. Die Sieger erobern anschließend üblicherweise die TV-Studios und werden bundesweit bekannt. Dies gelang in den vergangenen Jahren z.B. Rüdiger Hoffmann, Piet Klocke und Atze Schröder. Hella von Sinnen und Wigald Boning begannen ebenfalls in Köln ihre TV-Karriere, desgleichen Tom Gerhard als „Hausmeister Krause“. Etwa zur gleichen Zeit machte auch Dirk Bach einen Karrieresprung vom lokalen Theater in die Film- und TV-Studios.

EAU DE COLOGNE

1794 ließ ein französischer Besatzungsgeneral alle Gebäude durchnummerieren. Das Haus von Wilhelm Mülhens in der Glockengasse bekam die Nummer 4711. Eine Hausnummer, die übrigens heute noch gilt! Betreten Sie ruhig den Laden und erfrischen Sie sich am Kölnisch-Wasser-Brunnen. Das Destillat aus Alkohol und Blütenölen wurde bereits 1709 von Johann Maria Fa- rina in Köln hergestellt. 1792 bekam Wilhelm Mülhens das Geheimrezept von einem Mönch namens Franz Carl Georg Farina als Hochzeitsgeschenk überreicht. Die Essenz galt ursprünglich als Wunderwasser, das gegen Kopfschmerzen, Herzrasen und sogar die Pest helfen sollte. Als Napoleon 1810 eine Offenlegung aller Arzneirezepturen einforderte, konnte Mülhens das Geheimnis allerdings nur wahren, indem er die Mixtur fortan als Duftwasser zu Erfrischungszwecken anbot. In Erinnerung an den Ursprung von Eau de Cologne beginnt das Glockenspiel an der Fassade des Stammhauses in der Glockengasse sein Programm immer mit der Marseillaise.

KÖLSCH-ROCK

Die Stowaways waren Ende der 1960er-Jahre eine der unzähligen Kölner Beatbands mit englischen Texten. 1970 begann sich die Gruppe Bläck Fööss (nackte Füße) zu nennen und bot fortan ihre Songs auf kölsch dar. Mit ihren Rhythmen revolutionierten sie den Karneval, dessen musikalisches Repertoire bis dahin nur aus Schunkelwalzer und Klatschmarsch bestanden hatte. Nach seinem Ausstieg bei den Bläck Fööss gründete Tommy Engel 1992 mit Arno Steffen und Rolf Lammers das Trio LSE. Ihr Motto lautet: „Ruhm kennt keine Gnade“. Die Songs erzählen witzig-schräge Geschichten.

Als kölscher Tom Waits gilt Gerd Köster. Die Band Brings erreichte 2001 mit „Supergeile Zick“ (Zick = Zeit) ihren bisher größten Erfolg. Der Schlagzeuger Christian Blüm hat übrigens einen bekannten Vater: den Minister a.D. Norbert Blüm. Bundesweit bekannt wurde der kölsche Rock jedoch vor allem durch Wolfgang Niedecken und seine Band BAP. Anfang der 1980er-Jahre setzten sie der neuen deutschen Welle in schnörkellosem Rocksound ihr „Verdamp lang her“ entgegen. BAP ist übrigens eine phonetische Variante des rheinischen Pap für Papa. Von der Urformation ist nur noch Wolfgang Niedecken dabei. Die politisch-kritischen Texte sind noch immer höchst aktuell.

MEDIENSTADT KÖLN

Köln hat einen fast so hohen Promifaktor wie die anderen großen Medienstädte Berlin oder München. Die Kölner Kunsthochschule für Medien ist einzigartig in Deutschland, und fast ein Drittel des ARD-Programms kommt aus den WDR-Studios: Die Kölner „Tatort“-Folgen und Wiederholungen der „Schimanski“-Reihe erzielen regelmäßig Spitzenquoten. In Köln wird auch der Seriendauerläufer „Lindenstraße“ produziert, obwohl die Handlung in München spielt. Auch manche Krimiszenen mit Münsteraner Ermittlern werden auf Kölner Straßen gedreht.

RTL hält mit Soaps und Serien dagegen. Vox, Super RTL und Phoenix senden ebenfalls aus der Domstadt. Aus hiesigen Studios erfreuen „Wer wird Millionär?“ und Stefan Raab mit „TV Total” (Pro 7) ihre Fangemeinden. Im Durchschnitt drehen an jedem Wochentag zwei TV-Teams auf Kölner Straßen – freilich nicht immer zur Freude der Anwohner, die dann tagelang auf ihre Parkplätze verzichten müssen.

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